25 März 2007

Schweissnass in Veracruz

Samstag, den 24. März 2007
41. Tag

Wir verlassen Mexiko Stadt bereits nach einem Tag und fahren im auf 18 Grad runtergekühltem 1. Klasse-Bus fünf Stunden nach Veracruz. Als wir dort in unseren Pullovern aussteigen, trifft uns fast der Schlag. 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit wie in Manaus. Im Nu hat sich auf unserer Haut ein Schweissfilm gebildet.

Im historischen Zentrum direkt am Zocalo nehmen wir Quartier und sind damit wie immer im Epizentrum des Geschehens. Wie es sich für einen Samstagabend gehört, ist die halbe Stadt auf den Beinen. Die Lokale entlang des Platzes sind gut gefüllt. Ausser den unvermeidbaren Mariachi-Bands gibt es hier auch noch Marimba-Truppen. Eine Marimba-Truppe besteht aus drei Xylophon-Spielern, die nebeneinander auf das selbe Instrument schlagen, einem Schlagzeuger und einem Menschen, der auf einer Art Waschbrett-Kalabasse rumschrammelt und das Geld einsammelt.

Die Gruppen keine Gnade, sie spielen nebeneinander, übereinander oder hintereinander. Dazu läuft in jedem Lokal noch der Fernseher mit der obligatorischen Fussbal-Live-Übertragung. Und da Samstag ist, hat die Stadt auch noch ein Orchester spendiert, das in der Mitte des Platzes aufspielt und zu deren Klängen mehrere hundert Menschen tanzen. Für mitteleuropäische Ohren ist das eine einzige Kakaphonie. (Ich hab's mit dem Recorder aufgenommen und spiele es jeder und jedem Interessierten vor.)

Wir speisen preiswert Fisch, spazieren noch eine Stunde am Meer entlang, kommen verschwitzt im Terrassenlokal unseres Hotels an und beschliessen den Abend mit zwei schönen eiskalten Margeritas bevor wird in unser wohltemperiertes Zimmer entschwinden.


Sonntag, den 25. März 2007
42. Tag

Die Luft ist schon morgens schwül, was Gerda nicht davon abhält joggen zu gehen. Ich nutze die Gelegenheit, mein Schlaftraining auszubauen. Mit ein wenig Anstrengung gelingt es mir, nach dem ersten Kaffee im Bett noch mal für 30 Minuten einzunicken.

Veracruz war jahrhundertelang die wichtigste Hafenstadt Mexikos, ist aber jetzt auf Platz drei zurückgefallen. Von hier aus starteten einmal im Jahr die Gold- und Silberflotten der Spanier, die dann regelmässig von Sir Francis Drake überfallen wurden. Die Stadt ist auch Marinestützpunkt und wimmelt vor weissgekleideten Matrosen.

An diesem Sonntag erholt sich scheinbar alles von den Mühen des Samstagabends. Die Stadt ist leer, die meisten Geschäfte haben geschlossen und die feuchte Hitze liegt bleiernd auf allem. Wir verbringen den Grossteil des Tages am und im hoteleigenen Pool.

Zum Abendessen gönnen wir uns was, ein viergängiges Menü für 52 Pesos, also für rund 3,50 Euro. Das kann nicht gut gehen und tut es auch nicht. Man sollte sein Schicksal eben nicht herausfordern. Also schweigen wir über die Qualität und reden lieber von den Leuten die vorbeikamen und etwas anboten: 2 Mariachi-Bands, eine Marimba-Band, 2 Erdnuss-Verkäufer, 3 Uhrenverkäufer, 2 Schuhputzer, 1 Mozarella(?)-Verkäufer, 2 Süssigkeitenverkäufer und 1 Losverkäufer. Vor lauter No-Gracias-Sagen kamen wir gar nicht mehr zum Kauen und bei diesem Essen musste man verdammt viel kauen, um überhaupt einen Bissen runterzukriegen.

3 Comments:

At 3:54 AM, Anonymous Anonym said...

Ein Mozarella-Verkäufer? Das hört sich aber echt seltsam an. Oder (um mich zu wiederholen) sehr spanisch, oder doch italienisch? Man weiß es nicht. Jedenfalls um mich auf Eure Temperaturen zu beziehen: der Frühling in Kölle hat begonnen. Weiterhin noch gute Ohren!

 
At 1:26 AM, Anonymous Anonym said...

Während ihr euch den Freuden des öffentlichen Mozzarella-Handels hingebt und die Vereinigten Staaten nur noch eine wage Erinnerung hinter eurer nassgeschwitzten Stirn sind, kommen wir gerade von dort zurück und konnten hier nachlesen, dass wir alle den gleichen Mietwagen hatten. Zufall? I don`t think so! Deshalb an dieser Stelle ein Gruß und der völlig verspätete Tipp, dass der Wagen nicht hubt, wenn man ihn mit den Knöpfen an der Innenseite der Fahrertür schließt...bevor man das Auto verlässt...

 
At 11:16 AM, Anonymous Anonym said...

Und in Moers hört man, der Sonne sei dank, auch von allen Seiten Saxophon-Spieler oder die üblichen 1Mann10Mann-Bands.

Schön, wenn sie dann auch noch singen. Schöner wär's, wenn nicht nur weniger als die Hälfte es auch könnten : /

 

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