05 März 2007

Antikriegsdemo in Palm Springs und von der Arbeit, grosse Portionen klein zu kriegen

Samstag, den 3. März 2007
20. Tag

Auch am Morgen sieht Baker nicht besser aus, als am Abend. Im Gegenteil. Der Ort, der nur aus Tankstellen, Motels und Fast-Food-Läden besteht, hat nachts wegen der vielen Neonreklamen fast noch etwas anheimelndes. Bei Tag sieht man nur eine breite Strasse und heruntergekommene Gebäude. Wir frühstücken beim Mad Greek und obwohl es hier nach eigener Aussage den besten Gyros der USA gibt, bestellen wir zu so früher Stunde lieber Buttermilchpfannekuchen mit Sirup.

Bevor wir nach Palm Springs aufbrechen, machen wir noch einen Abstecher in die Mojave National Preserve. Ein Preserve ist eine Art Nationalpark, nur mit weniger Schutz. So darf in einer Preserve zum Beispiel nach bestimmten Quoten gejagt werden. In der Mojavewüste wechseln sich Lavafelder mit Sanddünen und Steinfeldern ab. Hier sehen wir auch unseren ersten Joshua Tree. Nach 34 Meilen kommt das Besucherzentrum, eine alte Bahnstation. Fleissige Chinesen haben hier vor ungefähr 140 Jahren unter extremen Bedingungen eine Eisenbahnlinie durch die Wüste gebaut, die heute noch genutzt wird. Immer wieder rollen endlos lange Güterzüge, gezogen von bis zu vier Diesellokomotiven, durch die Gegend.

Auf den Freeways 15 und 10 rollen wir dann auf Palm Springs zu. Die Landschaft ist immer noch karg, der Blick geht meilenweit in Ebenen und Täler. Jeden Augenblick könnte ein Planwagentreck auftauchen. Tut er dann auch. Wir lassen uns verleiten, zu einer alten Minen- und Geisterstadt zufahren. Als wir vom Freeway abbiegen, denken wir, schon da zu sein, doch das Örtchen ist zwar trostlos, aber noch voll bewohnt, auch wenn man kaum jemandenn sieht. Die eigentlich Geisterstadt kommt wenige Meilen später und ist fest in der Hand von einer Busladung Japaner. Wir zahlen unsere 6 Dollar Eintritt pro Nase, drehen eine schnelle Runde und düsen zum Freeway zurück.

Kurz vor Palm Springs sieht man das Tal vor lauter Windmühlen nicht mehr. Über 4000 Windräder stehen hier, lesen wir später. Aus irgendwelchen klimatischen Gründen fegt ein permanenter starker Wind durch das Tal, ideale Bedingungen für Windkraft.


Sonntag, den 4. März 2007
21. Tag

Wir beschliessen, den Sonntag ruhig anzugehen und laufen in die Stadt. Frühstück in einem Diner, Pfannekuchen mit Spiegelei, gebratenem Speck und Sirup. Nach dieser nahezu fett-, cholesterin- und kalorienfreien Mahlzeit, schwört man sich, nie wieder was zu essen. Fehlt nur noch ein anständiger Kaffee, denn dieses Spülwasser, was einem immer vorgesetzt wird, verdient den Namen nicht.

Das Palm Springs grossstädtisches Flair hat, merkt man daran, dass es hier ausser Starbucks noch eine zweite Kaffeehauskette gibt. Der geben wir den Vorzug gegenüber dem grossen Konkurrenten und erhalten den besten Cappucino seit unserer Ankunft in den USA. Einen vernünftigen Kaffee, eine vernünftige Zeitung (Los Angeles Times), schönes Wetter und auf der Strasse viel zu gucken, was will man mehr. Gegenüber, vor der städtischen Bücherei, versammeln sich ca. 50 Irakkriegsgegner und fordern auf Transparenten "Impeach Bush" und "Support our troups, bring them back". Viele Autofahrer bekunden hupend ihre Zustimmung.

In der Zeitung drei Nachrufe auf gefallene GI's. Der älteste 34 Jahre, der jüngste 20. Die Biographien gleichen sich. Alle kommen aus kinderreichen Familien. Das Geld war immer knapp und alle wollten die Armee als Chance zum sozialen Aufstieg nutzen. Überhaupt geben die Zeitungen einen guten Einblick in die Konflikte des Landes. Als Tourist bekommt man ja nur die Oberfläche mit: fast alle fahren hier in Kalifornien ein neues, grosses Auto, in Palm Springs sieht man überwiegend ältere gut gekleidete Weisse, Hispanos kommen nur als Zimmermädchen und Kellner vor. Die Zeitungen werden in diesen Tagen von folgenden Themen beherrscht: der Krieg im Irak und der Konflikt mit dem Iran, dem Klimawandel und dem Problem der illegalen Einwanderer. Dabei fällt mal wieder auf, dass in amerikanischen Zeitungen viel stärker als bei uns, zwischen Nachricht und Kommentar getrennt wird. Die Artikel nennen die Fakten und überlassen die Schlussfolgerungen dem Leser. Egal, um was es geht, es wird immer versucht, möglichst viele Leute zu hören. Die Meinungs- und Kommentarseiten, die viel umfangreicher als bei uns sind, behandeln ihre Themen immer sehr profund. Oft zieht ein Kommentar, den Kommentar eines anderen nach sich, so dass sich richtige Debatten ergeben.

Entgegen unserem Schwur, nie wieder etwas zu essen, zieht es uns abends in einen Grill, wo wir uns mit Rippchen den Rest geben. Als wir nicht mehr können, sind die Teller nur halb leer und wir ziehen mit einem Doggiebag zurück ins Motel.

3 Comments:

At 3:34 PM, Anonymous Anonym said...

Im Gegensatz zu den von Dir erwähnten Zeitungen läßt das Interesse an Kommentaren in diesem Blog wohl nach. Ich denke, das liegt aber nur an dem ohnmächtigen Erstaunen über Deine tollen Bilder!Da ist man einfach wortlos.Was für ein Glück für uns, daß es die Asiaten doch noch nach Las Vegas geschafft haben!

 
At 12:18 AM, Anonymous Anonym said...

Man kann auch nichts spannendes entgegenhalten.
Hier regnet's, manchmal scheint auch die Sonne, in letzter Zeit zumeist beides parallel.
Soviel zum Wetter.

Ich geh' morgen in einer mittelalterlich aufgemachte Burg feiern! Ist zwar nicht ganz wie Las Vegas, für mich dennoch das Highlight der Woche.

 
At 6:13 PM, Anonymous Anonym said...

Well said.

 

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