Havanna 3. Lieferung, Abschied und Las Vegas 1. Lieferung, Ankunft
Donnerstag, den 22. Februar 2007
11. Tag
Ich kann kaum auftreten und bleibe in der Casa. Lese das Buch "Persona non grata" des chilenischen Schriftstellers Jorge Edwards, der 1970 nach dem Sieg der Unidad Popular von Salvatore Allende für drei Monate Botschafter in Kuba war. Danach bleibt nur festzustellen, dass es viel romantischer ist, Revolutionen aus der Ferne zu bewundern. Das bewahrt einen vor zu schnellen Enttäuschungen. (Das Buch hat übrigens Hans mitgebracht, der nur mit eigener Handbibliothek reist und aus seinem Koffer bestimmt schon zehn neuere Bücher über Kuba hervorgezaubert hat.)
Gerda kümmert sich mal nicht um mich, sondern vervollständigt ihre kunsthistorische Bildung mit einem Besuch des Museums der Schönen Künste, wo die Schinken aus dem alten Europa hängen. Mehr als die Bilder begeistern sie aber die Räume des Museums, das in einem riesigen Gebäude aus der Zeit um 1900 untergebracht ist.
Abends humpele ich neben Gerda ins Hotel Inglaterra, wo wir auf der bereits mehrfach erwähnten Terrasse zu Abendessen und mit Bier und Mojitos (der übrigens mit dreijährigem Havanna-Club-Rum gemixt wird) von der Stadt Abschied nehmen. In der Nachbarschaft der Casa muss sich unsere Abreise rumgeprochen haben, denn ein Nachbar gibt uns zu Ehren eine Party mit seinen schönsten Son- und ChaCha-CD's. Leider konnten wir uns bei dem Mann nicht bedanken, denn erstens hatte er vergessen uns einzuladen und zweitens war die Musik so laut, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. Als die Musik gegen zwei Uhr nachts erstirbt (woran eine zu Hilfe gerufene Polizeistreife wohl nicht ganz unschuldig ist) lohnt es sich kaum noch zu schlafen, da der Wecker auf 4.30 Uhr gestellt ist.
(Auf Zeit-Online ist ein Artikel zur aktuellen Lage auf Kuba erschienen. Er bestätigt unsere Eindrücke voll: http://www.zeit.de/2007/09/Kuba-Guantanamo?page=all)
Freitag, den 23. Febraur 2007
12. Tag
Ein Taxi bringt uns um kurz vor sechs Uhr zum Flughafen. Havanna liegt noch im Dunkeln und für eine Millionenstadt ist erstaunlich wenig auf den Strassen los. Der Flieger hebt pünktlich um 7.55 Uhr ab. Da es wegen des US-Embargos keine Direktflüge zwischen Kuba und den USA gibt, müssen wir über Mexiko-Stadt fliegen. Der Landeanflug gibt schon mal einen kleinen Eindruck von der 28-Millionen-Metropole: Häuser soweit das Auge reicht. In wenigen Wochen werden wir uns die größte Stadt der Welt genauer ansehen, heute lernen wir nur den Flughafen kennen - und die Höhenluft. Holla, hier auf 2.200 Meter Höhe geht einem wirklich schnell die Puste aus. Gerade als ich nach einem Sauerstoffgerät fragen will, wird unser Flug aufgerufen.
Dreieinhalb Stunden später (und 17 Stunden nach unserem Aufbruch in Havanna) landen wir bei Sonnenuntergang in Las Vegas. Die Stadt funkelt unter uns. Der Strip mit seinen Casinos ist wunderbar zu sehen. Jetzt trennt uns nur noch die Grenzkontrolle von unserem Hotel. Ich weiss, die amerikanischen Einreisebehörden geniessen nicht den besten Ruf, aber unsere Beamtin ist wie die meisten Nordamerika nett und höflich und in weniger als zehn Minuten haben wie die Passformalitäten hinter uns gebracht (Pass scannen, Abdruck des linken und rechten Zeigefingers, Foto fürs Familienalbum des Präsidenten, einheften des Visums, Wünschen eines angenehmen Aufenthaltes), schnappen uns unsere Koffer vom Band, marschieren unbehelligt an den Zollbeamten vorbei und treten hinaus in die heiße Wüstenluft Las Vegas und - erfrieren fast. Lausige 13 Grad sind es! Nix heiss, Wüste nachts kalt! Wohl Karl May nicht aufmerksam gelesen.
Ein Shuttle-Bus bringt uns zum Imperial-Palace-Hotel direkt am Las Vegas Boulevard, besser bekannt als der "Strip". Gegenüber ist das "Caesar Palace", wo der Caesar Salad erfunden wurde. Das Imperial Palace ist wie das Bellagio (Italien), Paris Las Vegas (Paris), New York New York (Chicago) oder Circus Circus (Zirkus) ein Themenhotel. Nur das sich hier das Thema nicht so gleich erschliesst. Äusserlich ist es ein anonymer, in die Jahre gekommener Betonklotz, innerlich auch. Statt einer Hotellobby gibt es eine Spielhalle mit Automaten, Baccerat- und Roulett-Tischen und einer großen Poker-Sektion. Die Black-Jack-Tische werden von "Dealertainern" geführt. Das sind Croupiers in Kostümen von Prominenten, darunter die üblichen Verdächtigen wie Madonna, Michael Jackson oder Cher. Alle halbe Stunde führen die Dealertainer für einige Minuten eine kleine Playback-Show auf. Jetzt müßte auch dem und der letzten klar sein, welches Thema das Hotel hat. Richtig, China. Es gibt hier nämlich eine Geisha-Bar, eine Ginza-Bar, eine Sake-Bar und eine Mai-Tai-Lounge, die alle Budweiser führen und in der Theke eingelassene Video-Pokerspiele haben.
Wir kaufen für 10 Dollar inklusive Tip zwei Flaschen Bier, sehen den Spielern beim Pokern zu, verstehen gar nichts und gehen um zehn ins Bett. (Da wir die Uhr drei Stunden zurückstellen mussten, ist es eigentlich schon ein Uhr nachts. Wir sind nun 9 Stunden hinter Europa zurück.)


4 Comments:
Liebe Reisenden, obwohl ihr Tippps nicht so gern habt und das Objektiv wahrscheinlich auch schon gekauft ist: Der Mediamarkt der USA heißt Circuitcity und Saturn heißt RadioShack...wenn ihr dort vorbeischaut, zahlt ihr nicht die horrenden Preise der kleinen Elektroläden...
Können jetzt leider nicht mehr am Leben und Leiden der Blogger teilnehmen, da wir in die USA aufbrechen und das tun wir immer ohne Laptop.
Viel Spaß noch! Gabi und Birgit
....und die großen Qutlets am Ende des Strips(Richtung Mandalay Bay/Excalibur und dann einfach immer weiter) könnten euch vielleicht auch helfen..bin mir aber nicht sicher ob es da auch Kamerazubehör gibt....
Obwohl der erste Kommentar betont, daß Ihr Tipps nicht mögt, kann ich mich nicht zurückhalten: unbedingt im Mandalay Bay frühstücken. Das "All you can" Angebot ist ein Traum. Habt Ihr eigentlich geschafft, Karten für "O" zu kriegen?
Das Leben ist eine Reise... Abschied... Ankunft... und dazwischen die Suche nach Kamerazubehör!
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