Von La Paz nach Mazatlan
Sonntag, den 11. März 2007
28. Tag
Um 9 Uhr morgens geht unser Bus nach La Paz. Und wie immer, geht es pünktlich los. (Wie überhaupt alle Fahrpläne bisher superpünktlich eingehalten wurden, von einer Manana-Mentalität keine Spur.) Elf Stunden dauert die 700 Kilometer lange Fahrt durch die Baja California Sur. Es geht durch hochgelegene Kakteenwüsten, staubige Oasen-Kleinstädte, vorbei an phantastischen Buchten, auf deren weissen Sandstränden dutzende Luxuswohnmobile amerikanischer Touristen parken, hinein in von Menschenhand zerstörten Landschaften, Tagebaugebiete, wo nach Erz geschürft wurde.
Der Bus rast ohne Unterlass. Die mexikanischen Überlandbusse sind moderne Reisebusse mit Aircondition, Toilette und DVD-Fernsehen. Wir haben am Anfang noch Glück, der Bus ist nicht so voll und so haben wir jeder eine Sitzbank für uns. Lesen kann man während der Fahrt kaum. Obwohl die Strasse neu ist, wird der Bus der vielen Kurven wegen permanent durchgeschüttelt. Also guckt man in die Landschaft oder auf den Fernseher, wo heute am Sonntag besonders viele brutale Streifen laufen - und zwar ohne Unterbrechung. Aber irgendwann wird auch das egal und du hoffst nur noch darauf, dass der Bus bald ankommt.
Als wir gegen 20 Uhr La Paz erreichen, ist es schon dunkel. Wir verstauen unser Gepäck in ein Taxi, das wir vor Fahrtantritt an einer Kasse, wie hier üblich, bezahlen und fahren zur Pension California. Das Zimmer kostet 220 Pesos die Nacht (also weniger als 20 Euro), ist einfach und sauber. Mit 140.000 Einwohnern ist La Paz die größte Stadt der südlichen Baja California und auf dem Zocalo, so heissen in ganz Mexiko die zentralen Plätze, ist noch jede Menge los. In einer Ecke singt eine Frau begleitet von einem Gitarrenspieler ergreifende Balladen, in einer anderen treffen sich ältere Frauen und junge Kinder zum Bingospielen und in der Kathedrale wird gerade der Abendgottesdienst abgehalten. Es ist schon lange her, dass ich eine so volle katholische Kirche gesehen habe.
Montag, den 12. März 2007
29. Tag
La Paz umschmeichelt uns mit sommerlicher Hitze. Trotzdem wollen wir weiter. Unsere Fähre legt um 15 Uhr im 20 Kilometer entfernten Hafen ab. Zeit genug, um noch mal schnell die Uferstrasse, die hier auch Malecon heisst, rauf und runter zu spazieren.
Sechs Stunden dauert die Überfahrt nach Los Mochis. Endlich Zeit, sich mal ausführlich mit der Planung der nächsten Reiseziele zu beschäftigen. Eigentlich wollten wir von Los Mochis aus mit der Eisenbahn durch die berühmte Kupferschlucht nach Chihuahua fahren. Das hätte aber bedeutet, dass wir wieder nach Norden gereist wären, statt nach Mittel- und Süd-Mexiko, wo die wichtigen Sehenswürdigkeiten zu finden sind. Also beschliessen wir, die Kupferschlucht Kupferschlucht sein zu lassen. Denn mal ehrlich, auch landschaftliche Schönheit verliert stark an Reiz, wenn man dafür 16 Stunden Eisenbahnfahrt und mindestens 48 Stunden Busfahrt in Kauf nehmen muss.
Stattdessen nehmen wir in Los Mochis den Nachbus nach Mazatlan, laut Reiseführer bekannt für seine schönen Strände und sein tropisches Klima. Um vier Uhr morgens liefert uns der Bus im Busbahnhof ab. Mit einem offenen Taxi, das an einen Golfkarren erinnert, geht es durch die schlafende Stadt in die Zone Dorada, wo die Strände und die Touristenhotels liegen. Wir finden eine preiswerte Unterkunft, die um diese Uhrzeit ihre Rezeption besetzt hat, und fallen übernächtigt ins Bett.
Dienstag, den 13. März 2007
30. Tag
Der Sommer ist da. 50 Meter vor unserem Hotelbalkon brechen sich die Wellen des Pazifiks zur Freude der Surfer spektakulär am Strand. Zwischen Hotel und Strand bricht auch noch der Verkehr, zwar nicht zusammen, aber sich eine Bahn oder bzw. vier Bahnen. Aber irgendwie stört er nicht. Die Palmen wiegen sich im Wind, es ist angenehm warm, Urlaubsgefühl und -gewühl.
Mazatlan ist so eine Art Mallorca für amerikanische Touristen: Das ganze Jahr über gutes Wetter, nicht so weit weg wie Acapulco, und eine gute Mischung aus preiswerten und gehobeneren Unterkünften. Es gibt zwar die üblichen Bausünden, aber noch überwiegen die kleinen Hotels und Bungalowanlagen. Aber überall wird gebaut und in ein paar Jahren wird die Strandstrasse mit Appartmenthäusern übersäht sein.
Wir lassen es uns am Strand gutgehen, ergattern eine amerikanische Tageszeitung vom Vortag und genehmigen uns am Abend, ebenfalls am Strand, ein Gute-Nacht-Bier, das sinnigerweise Pacifico heisst.
Mittwoch, den 14. März 2007
31. Tag
Wir nutzen den langen Aufenthalt, um unsere Wäsche zu waschen. Jetzt merkt man doch, dass man in tropischen Gefilden ist. Trotz der hohen Temperaturen trocknen die Sachen nur langsam.
Weil Gerda eine schwere Tortilla-Krise hat und auch zum Frühstück keine Eier mit Speck mehr sehen kann, suchen wir ein Lebensmittelgeschäft. Was gar nicht so einfach ist. Der Einzelhandel hat sich auf Softdrinks und Chips spezialisiert. Nach einem längeren Fussmarsch finden wir einen Metro-ähnlichen WalMart, wo wir entgegen aller ideologischen Bedenken einkaufen. Allerdings gibt es hier nur Grossfamiliengebinde, und so sind wir nun stolze Besitzer einer Jumbopackung Vollkorn-Cornflakes, die wahrscheinlich noch für den nächsten Urlaub reichen wird.
Am Nachmittag geht es dann nach Mazatlan-Stadt, über die man eigentlich nur sagen kann, dass es sie gibt. Wir nehmen in einer kleinen Gaststätte das comida corrida (Tagesgericht) für 50 Pesos und schlagen nebenan in einem Cafe noch mal bei der Kuchentheke zu. Um die Kalorien wieder abzutrainieren, verzichten wir auf die Busfahrt zurück und gehen stattdessen am Strand zu unserem Hotel.

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