Schlammschlacht in Las Vegas
Dienstag, den 27. Februar 2007
16. Tag
Ein weiterer Höhepunkt dieser an Höhepunkten wahrlich nicht armen Reise steht an: Mud Wrestling in der Gilley's Bar im New Frontier Casino. Cold Beer and Dirty Girls verspricht die Leuchtreklame. Das Gilley's sieht aus, wie ich mir eine Südstaaten-Redneck-Kneipe vorstelle: Theken, Tische und Stühle im Ranch-Stil, Sägespäne auf dem Boden, Südstaaten-Flagge an der Wand und in einer Ecke eine Bull-Riding-Maschine. Die Bedienungen tragen schwarze Lederbikinis, schwarze Lederwesten, schwarze Chaps, schwarze Cowboyhüte und viel braune Haut.
In der Mitte des Lokals ist aus Gymnastikmatten eine 5 mal 5 Meter grosse Sandkasten-Kampfzone gebaut worden. Die Matten sind mit einer Abdeckplane aus dem Bauhaus überzogen. Ein Helfer in Cowboy-Ranger Outfit (wir fragen uns, ob die Handschellen an seinem Gürtel eine tiefere Bedeutung für das weitere Geschehen haben) rührt den Schlamm an. Zwei Säcke mit zementähnlichem Pulver werden grosszügig mit Wasser gemischt. Um 23 Uhr geht es pünktlich mit einer Stunde Verspätung los. Ein nicht mehr ganz junger, nicht mehr ganz dünner Mann, der auch nicht sonderlich gross ist, erklärt die Regeln und stellt das Nummergirl vor, das die knappesten Hot Pants und die höchsten Absätze der Welt trägt und dessen Aufgabe es ist, mit einem Schild die Runden 1 bis 3 anzuzeigen, weil man mit Recht davon ausgehen kann, dass nicht alle im Raum bis drei zählen können.
Die ersten beiden Kämpferinnen betreten die Arena. Es könnten die Schwestern von Pat und Patachon sein. Auf jeden Fall ist sofort klar, wer den Ring als Siegerin verlassen wird. Die Mädels tragen weisse Bikinis, Haut ist erlaubt, aber keine anstössige(vorher wurde noch streng kontrolliert, ob keine unter 21jährigen im Raum sind!). Amerikanische Männer scheinen von Popos besessen zu sein. Das Nummerngirl musste mehrfach mit dem Hintern wackeln und auch die Kombattantinnen müssen es unter dem Gegröle der Menge tun.
Die Damen betreten auf Knien den Ring, setzen ein paar Griffe an und landen planmässig nach wenigen Sekunden im Schlamm. Jetzt erkennt man, dass es Sinn macht, verschieden grosse Mädchen zu nehmen– so kann man sie wenigstens auseinander halten. Der Moderator hat eine Lieblingsphrase: "Oh, Holy Shit". Holy Shit ist es, wenn eine Kämpferin ihren Po zeigt, wenn sie die andere in den Schlamm befördert, Holy Shit ist, wenn der Schlamm über den Ringrand spritzt, Holy Shit ist überhaupt alles.
Nach wenigen Minuten machen sich bei den Mädchen die vielen Hamburger und die vielen Softdrinks ihrer Jugend bemerkbar. Ihre Kampflaune lässt nach und sie bewegen sich mit der Geschwindigkeit erkaltender Lava. Nach dem dritten Kampf dieser Art sind wir der Meinung, das man gehen sollte, wenn es am schönsten ist. Wir verständigen uns darauf, aufzubrechen, sobald der Moderator das nächste Mal Holy Shit sagt und stehen eine Zehntelsekunde später auf.
Heute ist unser letzter Tag in der Stadt und wir sinnieren über die Unterschiede zwischen Havanna und Las Vegas. Havanna hat zwar nicht so viele Leuchtreklamen wie Las Vegas, um genau zu sein, überhaupt keine, aber sonst gleichen sich die Städte doch mehr, als man glaubt. Auch im Zentrum von Las Vegas stehen Ruinen. In Havanna trinkt man Daiquiris, in Las Vegas Frozen Margerithas, die sich, meine ich, nur dadurch unterscheiden, dass man im einen Fall Rum und im anderen Tequila nimmt. In beiden Städten wird man von wildfremden Männern dauernd mit "Where are you from?" angequatscht, hier um gefälschte kubanische Zigarren, dort um Billigausflüge zum Grand Canon zu verkaufen.

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