06 März 2007

Palm Springs continued

Montag, den 5. März 2007
22. Tag

Fahrt in den Joshua Tree National Park, wo die ganzen Joshua-Bäume stehen, die von den Mormonen auf ihrer Wanderung durch diese Gegend in Richtung Pazifik Mitte des 19. Jahrhunderts so benannt wurden, weil sie mit ihren nach oben zeigenden Ästen den Weg ins gelobte Land zeigen würden, so wie der alte Prophet Joshua. Wenn man sich die Bäume aber genauer ansieht, wird feststellen, dass das gelobte Land überall liegen kann, da die Äste in alle Himmelsrichtungen zeigen.

Es ist so schön warm, dass wir offen fahren und in kurzer Zeit werden unsere rechten Gesichtshälften geschmorrten Tomaten immer ähnlicher. Jetzt wissen wir auch, warum in Kalifornien vergleichsweise wenig Cabrios rumkurven. Der Park hält, was sein Name verspricht. Überall Joshua Trees, schön weit auseinander, so dass man vor lauter Bäumen immer noch die Wüste sieht. Gerade als es anfängt langweilig zu werden, verschwinden die Bäume und ihre Stelle nehmen nun Kakteen ein. Auch der schönste Nationalpark hat einmal ein Ende und so fahren wir fast eine Stunde lang durch die diversen Ortschaften rund um Palm Springs wieder zurück in unser Motel, wo wir es gerade noch schaffen, beim letzten Sonnenstrahl in den kalten Pool zu springen und uns anschliessend im lauschig-warmen Jacuzzibecken wieder auf Körpertemperatur bringen zu lassen.

Den Versuch, mal Fernsehen zu gucken, brechen wir bald wieder ab. Alle drei Minuten gibt es eine Werbeunterbrechung und so inkontinent sind wir noch nicht, dass wir soviel Zeit gewinnbringend verbrauchen könnten.



Dienstag, den 6. März 2007
23. Tag

Wir sind immer noch in Palm Springs. Der Ort ist wirklich schön. In den 50er und 60er Jahren zog viel Hollywood-Prominenz hier hin, dann fiel der Ort in einen Dornröschenschlaf und wachte in den 90er Jahren wieder auf, weil vor der Stadt ein grosses Casino gebaut wurde. Irgendwie hat man es geschafft, dass kein Gebäude höher als vier Stockwerke ist und die ganze Bebauung ist zwar einheitlich, aber auch abwechslungsreich. Die Hauptstrasse wird von vielen Geschäften und vielen Restaurants gesäumt. Da hier im Winter viele gutsituierte Rentner, die sogenannten Snowbirds, hinkommen, hat das Ganze etwas von einem Ostseebad. Die Atmosphäre ist entspannt.

Im Frühling und Sommer übernehmen dann die Schwulen und Lesben das Kommando. Palm Springs hat sich neben Key West als größte Gay-Destination etabliert.

Schlechte Nachrichten für Mercedes-Aktionäre. Auf jeden Mercedes kommen hier drei Lexusse. Auch BMW ist präsenter als der Stern. Unser PT Cruiser ist allerdings der Darling der Saison. Alle paar Minuten sieht man dieses Auto (oder ist das immer der selbe, auf der Suche nach einem Parkplatz?). Jedes zweite Auto ist allerdings ein Familien-Pickup. Ich glaube, umweltschädlicher kann man nicht Autofahren. Diese Dinger sind über zwei Meter hoch und bestimmt sechs Meter lang. Wenn so ein Monstrum neben dir an der Ampel steht, kannst du gerade noch in den spiegelnden Felgen den Sitz deiner Frisur überprüfen. Da aber gerade in Kalifornien die Benzinpreise wieder um 10 Cent gestiegen sind und sich nun die Galone (3,7 Liter) langsam der 3-Dollar-Marke nähert und in den Zeitungen die Autofahrer über den Durst ihrer 6-Liter-Maschinen jammern, kann man davon ausgehen, dass das Sterben dieser Saurier bevor steht.

Wie Las Vegas ist auch Palm Springs bei aller Schönheit, Gemütlichkeit und Easy-Going-Atmosphäre ein Paradebeispiel für Ressourcenverschwendung. Wir sind in der Wüste und doch gibt es überall sattgrüne Rasenflächen, täglich begossen von unzähligen Sprenklern. Kein Zimmer ohne Klimaanlage, keine Strasse ohne grosszügige Bürgersteige, auf denen aber niemand geht (abgesehen vom Stadtzentrum), weil man hier jeden Weg mit dem Auto zurücklegt, kein Motel oder Hotel ohne Pool.

Und es ist eine Stadt, die scheinbar nur weisse Einwohner hat. Latinos kommen nur als Zimmermädchen vor und Farbige sind so selten wie bei uns in Nippes oder Ehrenfeld.

1 Comments:

At 3:42 PM, Anonymous Anonym said...

Dann würde ich sage, überprüfe doch endlich mal Deine Frisur. Auch wenn es nur in fremden Felgen ist...

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home