03 März 2007

Leaving Las Vegas - Direction Death Valley

Mittwoch, den 28. Februar 2007
17. Tag

Abschied von Las Vegas, Hans fliegt nach Hause, wir holen unseren Mietwagen ab. Auf dem Weg zur Mietstation fängt es an zu schneien. Nicht nur der Taxifahrer ist perplex. Wie befürchtet, ist in der von uns bestellten Economy-Class kein Wagen verfügbar und so müssen wir schweren Herzens ein kostenloses Upgrading akzeptieren. Wieder nix mit unserem Plan, Kalifornien im Kleinwagen kennenzulernen. Stattdessen gibt es einen Chrysler PT Cruiser in der Cabrio-Version.

Frohgestimmt verlassen wir Las Vegas in Richtung Death Valley.


Donnerstag, den 1. März 2007
18. Tag

In der Wüste, so der Motelbesitzer, ist der Sonnenaufgang etwas ganz Besonderes. Leider hat er uns nicht gesagt, wann, und so klingelt der Wecker gegen 5 Uhr früh in der Hoffnung, dass auch die Sonne ihn hört. Wir fahren ein paar Meilen zu irgendwelchen Sanddünen, die berühmt sind für ihr Sonnenaufgangsfeeling. (Warum hat dieses Land eigentlich ganz andere Masseinheiten? Meilen statt Kilometer, das geht ja noch, weil eine Meile ca. 1,6 Kilometer sind und man das gerade noch im Kopf rechnen kann. Aber unser Tank fasst 15 Gallonen, das sind 57 Liter und ein paar Zerquetschte. Aufgabe für Abi-Klausuren: Ein amerikanischer Pickup verbraucht auf 123 Meilen 3,457 Gallonen Benzin, wieviel Liter Diesel braucht ein deutscher Mittelklassewagen demnach auf 100 Kilometer? Noch komplizierter ist die Umrechnung von Fahrenheit und Celsius. 0 Grad Celsius entspricht 32 Grad Fahrenheit. 60 Grad Fahrenheit sind, wie wir jetzt aus Erfahrung wissen, noch ziemlich kalt und entsprechen ca. 15 Grad Celsius. Wer jetzt annimmt, 120 Grad Fahrenheit sind dann 30 Grad Celsius, liegt völlig falsch. 120 Grad F entsprechen 50 Grad C. Kompliziert? Nicht, wenn man sich die korrekte Umrechnungsformel merkt: Grad Fahrenheit minus 32 mal 5 geteilt durch 9 gleich Grad Celsius. Alles klar?)

Zurück zum Sonnenaufgang. Wir stehen in the Middle of Nowhere, vermuten in der Nähe die Sanddünen, die man wegen der Dunkelheit noch nicht sieht, sehen dafür die Sterne und hören - nichts. Absolute Stille. So ein bisschen wie ein normaler Samstagabend in Arum. Dann kriecht im Osten die Morgenröte langsam über einen Berg. Jetzt kann man sich zwei Empfindungen hingeben: Variante A: Man ist eins mit dem Universum und hat ein religiöses Erweckungserlebnis oder Variante B: Man fühlt, wie klein und verloren der Mensch im Universum doch ist. Bevor man aber all sein Geld einer obskuren Sekte überweist und sich den Kopf kahlrasiert oder alternativ nach seiner Mama schreit, hat Mutter Natur schon die Gegentherapie in petto: Mitmenschen. Die sind nämlich auf die gleiche Idee gebracht worden, sich den Sonnenaufgang anzusehen, brausen und bremsen Vollgas heran, palavern mit ihren Partnern, das Autoradio voll auf Hillibillie. Kurz, der weihevolle Moment ist so schnell vorbei, wie er gekommen ist.

Wie geht es eigentlich meinem Fuss?, höre ich da besorgte Stimmen fragen. Danke der Nachfrage. Die Schwellung ist so gut wie weg, aber beim Auftreten tut es noch weh. Wahrscheinlich ist der Mittelfussknochen mehrfach gebrochen. Meine Meinung. Gerdas Meinung: typisch Mühlhaus'sche Hypochondrie. Wie kann eine einzelne Frau nur so wenig Mitgefühl zeigen?


Freitag, den 2. März 2007
19. Tag

Am zweiten Tag in der Wüste erleben wir den nächsten Tiefpunkt unserer Reise. Badwater. 85 Meter unter dem Meeresspiegel und der niedrigste Punkt auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Der niedrigste Gegend der gesamten Welt ist übrigens das Tote Meer in Israel mit 440 Meter unter dem Meeresspiegel.

Das Death Valley ist ein ziemlich unwirtlicher Ort. Es sieht aus wie eine Abraumhalde in Recklinghausen. Nur grösser, sogar zweimal so gross wie Delaware, der kleinste Staat der USA. Wenn ihr jetzt im Atlas nachguckt wie gross Delaware ist, habt ihr einen ungefähren Eindruck. Im Sommer pendeln sich die Tagestemperaturen zwischen 45 und 55 Grad C ein. 1913, glaube ich, wurde hier die zweithöchste Temperatur der Welt gemessen: 57 Grad C. Nur in der Sahara war es bislang einmal wärmer, oder besser heisser. Aber jetzt ist Frühling und die Sonne wird durch kalte Winde gedämpft. Wir wandern in den Gold Canyon, nackter Stein bedeckt mit einer trockenen, mürben Schlammschicht. Alle paar Jahre regnet es einmal kräftig und dann setzen sich die Schlammmassen wieder ein Stück in Bewegung. Obwohl es gar nicht so warm ist, merkt man die Sonne. Nach ein paar hundert Metern fängt man anzuschwitzen.

Wir halten uns ungefähr eine Stunde in dem Canyon auf und sind fertig. Um 1850 irrte ein Treck mehrere Monate durch dieses Gebiet, auf der Suche nach einem Weg nach Kalifornien. Die Leute waren am Ende so verzweifelt, dass sie ihre Zugochsen schlachteten, daraus Pökelfleisch machten, ihren Planwagen verbrannten und ihren Weg zu Fuss weitergingen, weil sie mit den Wagen zu langsam vorankamen. Obwohl sie insgesamt noch Glück im Unglück hatten und nur einer starb, nannten sie das Tal "Death Valley".

Winter und Frühling sind Hauptreisesaison im Valley. Trotzdem kann man nicht gerade sagen, dass das Tal überbucht ist. Es gibt mehrere Campingplätze für die riesigen amerikanischen Wohnmobile, die trotz ihrer Längen von bis zu 15 Metern vor dieser Naturkulisse kaum auffallen, und es gibt einige Motels, aber es gibt keine Schwierigkeiten, ein Zimmer zu mieten.