Von Mazatlan nach Guadalajara
Donnerstag, den 15. März 2007
32. Tag
Wieder einmal Reisetag. Neun Stunden braucht der Bus von Mazatlan nach Guadalajara, der zweitgrössten Stadt des Landes. Schon mal was von der 5,5-Mio-Metropole gehört? Wir auch nicht.
Wir erwischen diesmal einen 2. Klasse Bus. 2. Klasse Busse unterscheiden sich von 1. Klasse Busse vorallem durch ihr Alter. Alles ist ein bischen abgeschrammelt, die Sitze hängen durch, die kalte Luft der Klimanlage wird durch riesige Öffnungen geblasen, den Grossteil des Gepäckraums nimmt ein zerschlissener Ersatzreifen ein und die Tür des Klos schwingt bei jeder Linkskurve auf und bei jeder Rechtskurve wieder zu. Ausserdem gibt es wähend der gesamten Fahrt nur einen Film, eine spanische Komödie von 1987. An den Haltestellen steigen fliegende Händler ein und bieten Obst, Teigwaren, Schokolade und anderes Essbares an. Bald sitzen wir mit zwei riesigen gegrillten Maiskolben da und lassen die Landschaft an uns vorbeifliegen.
Wie immer gibt es alle paar hundert Kilometer Drogen- und Waffenkontrollen des Militärs. Die Kontrollpunkte sind gespickt mit Sandsackverschlägen und Soldaten in Tarnuniformen und mit schussbereiten Gewehren. Man hat uns erzählt, dass die USA Druck auf die mexikanische Regierung ausüben, den Drogenhandel stärker zu bekämpfen. Ob die Kontrollen was nützen? Die Untersuchung des Busses dauert keine Minute und besteht darin, dass ein Soldat einmal streng in die Runde guckt. Dass der Inhalt des Chemieklos mit Sicherheit unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, entgeht ihm natürlich. Durch die lange Fahrt in der glühenden Hitze kocht die Chemiebrühe und jedesmal wenn die Klotür in einer Kurve aufgeht, füllt sich der hintere Teil des Busses mit einem atemberaubenden Geruch, der mich völlig paralysiert. Und das soll legal sein?
Wir nehmen auf Empfehlung des Reiseführers und unseres Taxifahrers Quartier im Hotel San Francisco Plaza, einem schönen alten Kolonialbau nahe des Stadtzentrums. Das Zimmer ist schön gross und hat sogar zwei Balkone. Die schmalen Strassen machen einen ruhigen Eindruck. Der natürlich täuscht. Mexikanische Strassen sind niemals ruhig und schon gar nicht im Zentrum. Zum einen rasen hier mindestens fünf lokale Buslinien durch - und rasen ist wörtlich gemeint - zum anderen dient der Platz vor dem Hotel mit seinen Bänken den aus den angrenzenden Kneipen nach Hause gehenden Menschen als willkommener Zwischenstopp, wo der Abend noch einmal ausführlich und laut mit den Freunden besprochen wird, gerne auch unter Zuhilfenahme des einen oder anderen Volksliedes. Das beste aber sind die LKWs. Die erschüttern das alte Gemäuer so, dass die Betten immer einen kleinen Sprung machen. Mann, wie freue ich mich auf meinen ruhigen Westbahnhof.
Freitag, den 16. März 2007
33. Tag
Ein üppiges Frühstücksangebot entschädigt uns für die Nacht. Es gibt eine Kanne Cafe Americano, normalerweise immer ein dünne Plörre, in der der Löffel fast stehen bleibt. Die Pfannkuchen sind wie aus der Musterküche und das Rührei, was sollen wir sagen, wir sind gerührt.
Guadalajara gilt als die mexikanischste Grossstadt unter den grossen Städten Mexikos (Reiseführer). Warum? Weil bei allem Wachstum noch viele alte Elemente behalten wurden. Und in der Tat. Das Stadtzentrum wird von der Kathedrale und vielen Plätzen mit kolonialer Bebauung dominiert. Die Gebäude der Seitenstrassen erinnern ein bischen an Havanna. Die Innenstadt ist voll mit Menschen, fliegenden Händlern, Essständen, pP's (patroulierenden Polizisten) und Autos.
Auf knapp 1600 Meter Höhe gelegen, ist die Stadt mit einem ganzjährigen milden Klima gesegnet und nennt sich selbst, die Stadt des ewigen Frühlings. Der ist zumindest heute ein ausgewachsener Hochsommer. Die Zeitung meldet Temperaturen von 29 Grrad und unsere gefühlte Temperatur liegt eher bei 34 Grad.
Wir verbringen den Tag mit Spazierengehen, Gucken, Kaffeetrinken, Obst auf dem Markt kaufen, Siesta im Hotel halten. Abendessen essen und Absacker trinken.


1 Comments:
Ich weiß auch nicht, aber was Du da so erzählst kommt mir alles ein bißchen spanisch vor
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